matmos_supreme_balloon.jpg (09.05.08 / Matador) Matmos ist ein Genre für sich. Klar, sie arbeiten hauptsächlich mit elektronischen Instrumenten und Samples, aber zeichnen sich durch ein vielfaches an Experimentierfreudigkeit im Vergleich zu den meisten Artgenossen der elektronischen und Samplebasierten Musik aus. Vergleichbare Bands wären Aphex Twin oder Boards Of Canada.

Das Coverbild des neuesten Werkes Supreme Balloon trifft die musikalischen Eigenschaften des Duos exakt: Zwei Figuren in einem Heissluftballon, die farbige Wölckchen in verschiedenen Formen aus einem Hörrohr-ähnlichen Teil über einer farbig-bizarren Landschaft verteilen. Verspielt, bunt, schräg. So können unvorbereitete Hörer, die Matmos bisher nicht kannten, mit deren Musik ein wenig überfordert sein. Doch immerhin: Es geht gleich vom ersten Track “Rainbow Flag” an richtig seltsam los, mit Gameboy-Melodien und digitalem Gezirpe und Gefiepse.

Polychords” hat wenigstens noch einen ziemlich durchgehenden Beat, aber danach steigt man mit “Mister Mouth” und “Exciter Lamp and the Variable Band” immer mehr ab in eine Art akkustische Schokoladenfabrik der zwei Willy Wonkas der schrägen Klänge. Die ersten Tracks haben wirklich was von einem Sonic the Hedgehog-Soundtrack.

Das Experiment “Les Folies Françaises” geht dann in eine andere Richtung: Pianistin Sarah Cahill spielt auf einem wie auch immer vermurksten Instrument (scheinbar ein Korg MS2000) jenes Stück, das eigentlich schon vor ca. 300 Jahren vom barocken Komponisten François Couperin für eine Harfe geschrieben wurde. Man höre und staune.

Etwa die Hälfte der Spielzeit des Albums macht der Titeltrack “Supreme Balloon” aus: In gut 24 Minuten zeigen M.C.Schmidt und Drew Daniel, dass auch sie komponieren können. Ein fast endloser Anstieg in Komplexität und Indensität, dann wieder minutenlange Entspannung, schliesslich Percussion, Quakgeräusche, Piepsen und ein 1-Minuten-Ausklang. Später auf dem Album findet man – nach etwa 10-minütiger Stille – noch den Track “Ainsoph“, auch hier wieder eine elektronische Kakophonie, bevor das Album mit 8 Sekunden Stille (unter dem Namen “Omega“) abgeschlossen wird.

Man war ja durch das Coverbild schon vorgewarnt. Dennoch reibt man sich nach dem Durchhören die Augen bzw. Ohren ob so viel musikalischer Verspieltheit, Dadaismus, Nonsens, Musique concrète, Genialität und auch Durchhaltevermögen.

(grid)

PS: Die Wertung von 9/10 Sternen sollten sich nur jene zu Herzen nehmen, die experimentelle Musik mögen.

Reinhören auf: http://www.myspace.com/matmos1

…auch erschienen auf out-of-space.ch.

banner1_d_small.png


No Comments to “Matmos – Supreme Balloon (out-of-space.ch-Review)”  

  1. No Comments

Leave a Reply


*