Archive for August, 2008
Emiliana Torrini – Me And Armini (out-of-space.ch-Review)
1 Comment Published August 26th, 2008 in Music, Release, out-of-space.ch
Die Isländerin Emilíana Torrini Davíðsdóttir (meist aber schlicht Emiliana Torrini genannt) hat als Musikerin aus Island wohl eher einen schweren Stand, denn wegen ihrer Herkunft fällt ihr Name kaum einmal ohne eine Referenz auf die Landsfrau Björk. Und dies, obwohl der Vergleich eigentlich von Anfang an gehinkt hat, denn die beiden haben bis auf die Staatsbürgerschaft, den Beruf und den Akzent in ihrer englischen Aussprache nicht viel gemeinsam.
Musikalisch ist Emiliana schon seit einiger Zeit am arbeiten, wenn auch ihre frühen Werke weitgehend unbekannt sind und so gut wie nie den Weg raus aus Island gefunden haben. So wurden die ersten drei Alben Spoon, Crouçie D’où Là und Merman bisher nur in Island veröffentlicht.
Mit dem vierten Album, Love In The Time Of Science (1999), schaffte Emiliana dann den Durchbruch, sang danach “Gollum’s Song” für Peter Jacksons Film The Lord of the Rings: The Two Towers (2002) und veröffentlichte im Jahr 2005 das fünfte Album Fisherman’s Woman. Obwohl sie seit Love In The Time Of Science eine relativ grosse Fangemeinde hinter sich hatte, ist sie dennoch vielen noch nicht bekannt. Denn obwohl das “Science”-Album noch sehr viel Trip-Hop und vor allem auch Pop (nicht im negativen Sinn) enthielt, war dann Fisherman’s Woman doch wieder zu introvertiert, um die breite Masse ansprechen zu können. Schade eigentlich, denn das Album ist mit seiner fast durchwegs akustischen Instrumentierung sehr persönlich und beinhaltet Höhepunkte wie z.B. den Song “Next Time Around“. Das Album ist durch seine Art vergleichbar mit Lou Rhodes‘ beiden Soloalben Beloved Ones und Bloom.
Nun wurde der Titelsong des neuen Albums Me And Armini schon relativ lange vor dem Erscheinen des Albums über das Internet verbreitet. Wer bisher nur diesen gehört hat mag ein wenig erschrecken, dass die Musik (in etwa Akustik-Reggae mit einem Geräusch-Finale) nur relativ wenig nach der Emiliana Torrini klingt, die wir von den letzten beiden Alben kennen. Doch die Stimme, ohnehin das Herzstück ihrer Musik, ist unverkennbar Emiliana Torrini!
Doch schon beim ersten Track “Fireheads” des neuen Albums können alle allfälligen Befürchtungen zerstreut werden, denn was man schon da zu hören bekommt, entspricht den Erwartungen (zumindest meinen) vollauf: Schönes Songwritig, beschwingte Drums und ein witziger Refrain.
Die auffälligste Eigenschaft des neuen Albums ist, wie man beim weiterhören merkt, dass Emiliana sich scheinbar nicht für einen Stil entscheiden konnte. Die einzige Konstante auf dem Album ist ihre unverkennbare Stimme, für die Musik holt sie sich aber in allen möglichen Ecken der Musikgenres und sogar der Musikgeschichte Zutaten und Anleihen. Musikgeschichte deshalb, weil man beispielszweise im Song “Birds” nach einiger Spielzeit zu einem Zwischenteil kommt, welcher von Pink Floyds Soundtrack Obscured By Clouds (1972) stammen könnte…
Nightmares on Wax – Thought So… (out-of-space.ch-Review)
0 Comments Published August 26th, 2008 in Music, Release, out-of-space.ch
Nach Bomb The Bass hat mit Nightmares On Wax jetzt schon die zweite Britische Urgestein-Trip-Hop/Hip-Hop/Downbeat-Band innerhalb von kurzer Zeit ein neues Album veröffentlicht (zudem auch auf Warp), wobei bei Nightmares On Wax die Wartezeit nicht so lang war wie die auf Bomb The Bass‘ Album Future Chaos. Aber wie bei Future Chaos können auch mit Thought So… die Erwartungen nicht so richtig erfüllt werden.
Gegründent von den zwei Hip-Hop DJs und Remixern George Evelyn und Kevin Haper sieht sich die Band ja eher im Downbeat als im Hip-Hop. Dennoch fehlt diesem Album durchgängig etwas wichtiges, auch wenn man es zu Beginn nicht so richtig deuten kann. Die Tracks tröpfeln manchmal entspannt dubbig aus den Boxen (“Still Yes“), dann wieder Old-School-Hip-Hop-mässig (“Da Feeling“) und zum Schluss dann sogar richtig Lounge-Mässig mit Klavier und Streichern, mit der grossen Kelle angerührt (“Hey Ego!“).
Lässt man aber mal ein paar Tracks im Hintergrund laufen, ertappt man sich immer wieder beim drücken der Skip-Taste. Denn obwohl die Musik an sich sehr angenehm ist und auf den ersten Blick ein “Jaja, ist ganz OK”-Prädikat erhalten mag, merkt man mit der Zeit, dass etwas fehlt.
Meines erachtens ist es folgendes: Die Musik klingt meistens wie Hip-Hop, Dub oder Trip-Hop, bei dem der Gesangskanal gemuted ist. Man kennt das von diversen Hip-Hop-Alben oder EPs, bei denen die normalen Tracks nochmal als “Instrumentals” auf die CD gepackt wurden. Bedeutet eigentlich die selbe Musik, ohne die Raps (wohl gedacht für jene, die das mitrappen üben oder Karaoke betreiben wollen).
Was bei einem Hip-Hip-Album als “Supplément” zu den richtigen Songs ganz schön sein mag, stört bei einem normalen Album ganz gewaltig, denn man wartet bei jedem Track darauf, dass noch mehr kommt, dass etwas passiert. Aber es sind sozusagen nur endlose Intros. Nur bei einigen Tracks ist das nicht der Fall, so z.B. beim Dub/Reggae-Song “195lbs“, welcher schon als Single ausgekoppelt wurde. Die spärlichen Vocals bei den anderen Tracks klingen weniger nach Lead- sondern eher nach Background-Vocals.
Somit wird aus dem Album eigentlich mehr eine Art Lounge-Fahrstuhl-Musik, von der man sich im Hintergrund berieseln lassen kann – viel mehr bleibt nicht hängen. Man sehnt sich bei den meist eigentlich schon nicht so schlecht gemachten Instrumentals nach einer Stimme, die eine Melodie vorträgt, welche der Musik einen Sinn gibt. Schade, so sticht kein Song richtig raus und das ganze bleibt dann doch sehr belanglos…
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Reinhören in einige der Tracks: www.myspace.com/nightmaresonwax
Stereolab – Chemical Chords (out-of-space.ch-Review)
0 Comments Published August 26th, 2008 in Music, Release, out-of-space.ch
Bei Stereolab gelten irgendwie andere Kriterien als bei anderen Bands. Die Sängerin hat zeitweise keine saubere Intonation und im grossen und ganzen eigentlich auch nicht so eine interessante Stimme, die Musik erscheint mehrheitlich ein Gedudel mit Orgeln und Schellenring zu sein, insgesamt also ein wenig “Beach Boys meets (frühe) Air“. Aber es macht Spass. Sommermusik für die Strandferien oder zur Vertonung eines 70er-Jahre-Teeniefilms aus Frankreich.
Nach mehreren Höhrdurchgängen erkennt man dann auch, dass die Musik sehr vielschichtig ist, aufgebaut mit vielen Instrumenten und immer wieder überraschenden Wendungen in Melodie und Akkordauswahl. Nach 70er-Jahre klingt es vor allem wegen der Instrumentierung mit Gitarren, viel Orgeln, Hammonds, Moog etc. aber auch Bläsern und Streichern. Französisch klingen die Arrangements und nicht zuletzt natürlich der Gesang, auch wegen den teilweise in Französisch gesungenen Texten.
Die Band aus London hat schon einiges an Erfahrung, denn Chemical Chords ist ihr 9. Studioalbum. Gegründet im Jahr 1990 hat die Band nach dem Umfalltod von Mary Hansen im Jahr 2002 seit dem letzten Album Margerine Eclipse wieder die ursprüngliche Sängerin Lætitia Sadier. Über die Jahre unternahm die Band Ausflüge in alle möglichen Genres und Sparten, von Philip Glass über Brasilianische Musik (vor allem auf Dots and Loops) bis zum Jazz (vergleiche hierzu auch den englischen Wikipedia-Eintrag).
Überall durch dieses Sammelsurium von Stilen und Abschnitten zieht sich die Verwendung von Orgeln aller Art, und diese sind auch auf Chemical Chords wieder das dominierende Element. Obwohl kein Track auf dem Album richtig herausstechen mag, hat man trotzdem ein durchgängigen roten Faden – man kann es eigentlich einlegen und laufen lassen. Die Rezeption der Songs ist immer in etwa die selbe, aber durch das intelligente Songwriting wird es selten langweilig, das oben erwähnte “Gedudel” relativert sich also wieder.
Also nichts wirklich neues von Sterelab, eher zurück zur soliden Musik für Freunde von Chanson, Gainsbourg und Hammond.
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Reinhören auf MySpace: http://www.myspace.com/stereolab
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