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face-value.jpg Immer wieder wird er in die Schmuse- und Schmalzecke abgetan. Viele trauen sich nicht zuzugeben, Alben von ihm zu besitzen, andere belächeln jene, die es zugeben. Für manche Songs und Alben vielleicht zu recht (wobei auch diese ihre Daseinsberechtigung haben), manch Alben von Phil Collins sind aber nur eines: Meisterwerke!

Am meisten sticht wohl Face Value heraus, Collins’ Solo-Debüt aus dem Jahr 1981. Dies aber nicht unbedingt wegen seiner Gesamtheit, sonder wegen einer Handvoll Songs, die schlicht genial sind.

Der Opener “In The Air Tonight” ist wohl das bekannteste Stück, nicht nur des Albums sonder von Collins allgemein. Speziell machen es nicht nur die schönen Drumloops zu Beginn, der Einsatz der Drums in der Mitte und die Voice-Effekte und Talkbox beim Gesang, sondern auch der Text und die damit verbundene Urban Legend.

Ein weiteres, weniger bekanntes Stück ist “The Roof Is Leaking“, Piano, Benjo-artige Gitarre und Collins’ blechern aufgenommene Stimme vor Grillengezirpe. Die Geschichte erzählt die Situation eines Mannes, der seine Familie durch den kalten Winter bringen muss.

Gleich anschliessend kommt das Stück “Droned“, gespielt mit Percussion, Piano, Synthie und Gesang ohne Text. Sehr schwierig einzuordnen ist der Stil des Stückes, warscheinlich am ehesten “experimenteller Ethno”. Wieder ein direkter Übergang zu “Hand In Hand“, auch ohne Text, dafür mit Bläsern und hervorragenden Drum-Parts.

Als letztes sei hier noch das Cover von “Tomorrow Never Knows” genannt, welches im Original von den Beatles (vom Album “Revolver”) schon sehr Visionär geklungen hat, von Collins einfach ein wenig runder und eine Spur langsamer, dafür mit einem wuchtigen Bass und Flanger-Effekten statt Sithar-Klängen eingespielt wurde.

Face Value ist also ein Album, welches sich auch ein Hörer mit grossem Bedacht auf seine musikgeschmackliche Integrität bedenkenlos anhören kann, denn es zeugt von einer grossen Experimentierfreudigkeit und höchstleistungen an den Instrumenten seitens Collins. Auch der Nachfolger “Hello, I Must Be Going!” (1982) enthält nicht minder grossartige Stücke, z.B. “I Don’t Care Anymore“, ist im grossen und ganze dann aber ein wenig poppiger ausgefallen.

 lastvote.jpg Vor gut einem Jahr erschien auf out-of-space.ch der Konzertbericht von einem Winterkonzert der Band Last Vote aus Basel (siehe hier). Damals wurde das Debüt-Album schon angekündigt, welches inzwischen veröffentlicht wurde. Was damals jedoch noch niemand wusste oder geahnt hätte ist, dass Zeitgleich mit der Veröffentlichung, sprich der Plattentaufe, die Band auch gleich aufgelöst würde. So bleibt uns hier das Review eines Albums mit dem Namen “There Is Sound“.

Last Vote benutzen für sich den Untertitel “Sense The Harmonic Noise“. Dies beschreibt die Musik schon sehr gut, die gemeinhin dem inzwischen schon sehr strapazierten Genre “Post Rock” zugeordnet wird. Also sehr langgezogene Strukturen, im Normalfall gegen 15 Minuten, jeder Akkord wird ausgekostet, ein neu eingeführter Akkord wird jeweils minutenlang ausprobiert und bearbeitet. Dabei klingen die Tracks im Vergleich zu stilnahen Bands wie Mono (jap) oder Mogwai auch mal nach Aufbruch und Freude, teilweise aber auch traurig und nach verzweiflung.

…weiterlesen auf out-of-space.ch.

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Basler Lo-Fi: Anna Aaron

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Beim ihrem Doppelkonzert im Parterre mit Dew habe ich sie live hören dürfen: Anna Aaron aus Basel.

In der Tradition von PJ Harvey und Tori Amos – sprich Piano, Gesang und eher düstere Stimmung – trägt Anna ihre Stücke vor. Ihre Songauswahl auf MySpace lässt durchblicken, dass ab und zu auch mal ein anderes Instrument dazugeschaltet wird (bei “You Are Open”: Sampler? Orgel?).

Es ist irgendwie seltsam: Einmal gehört, lassen einem die Songs, Melodien und vor allem die Stimme nicht mehr los. Annas Stimme hat das, was den notorischen Melancholiker direkt und tief drinnen trifft. Etwas, was vielleicht auch nur jene nachvollziehen können, die sich nach dem Hören von düsterer, grüblerischer Musik wie The Cure, Damien Rice oder eben Tori Amos besser fühlen und nicht schlechter.

Insiderquellen berichten, dass auch bald eine CD von ihr erhältlich sei. Wie auch immer, sei hier vorerst mal die MySpace-Seite von Anna empfohlen und vor allem auch die Live-Auftritte, welche sehr ehrlich, intim und traurig-schön rüberkommen.

http://www.myspace.com/annaaron
Anspieltipp: “Mary Ruth”

22. Dez 2007 (20:00) im Culturium (Volkshaus), Basel

3 CD-Tipps für die Jahreszeit

Gelbe Blätter, sichtbarer Atem, erster Frost, Nebel. All das schreit nach Klassikern für die Jahreszeit, in der sich alles schlafen legt. Hier drei meiner ganz persönlichen Lieblinge:

harvestman_lashing.jpg Harvestman – Lashing The Rye (Nov. 2005)
http://www.myspace.com/heathenpsych

Aus den Reihen von Neurosis ergab sich das Projekt Harvestman (englischer Name der Weberknecht-Spinne), welche nach eigenen Angaben Psychedelic / Experimental / Folk Rock machen. Das heisst, sie klingen ungefähr wie Metal ohne Drums, Gesang, Solos und konventionelle Songstrukturen – also eigentlich eine Art Ambient. Neben den lange ausgehaltenen verzerrten Gitarren versteckt sich ab und zu noch ein Piano (The Burning Of Tara), Dudelsäcke (The Sea Maiden) und ab und zu ev. noch ein Synthie-Effekt (manchmal schwierig zu sagen). Das Album schafft eine ganz eigene, hypnotische Atmosphäre, teils nur aus Gitarrenklängen, minimalistisch also und trotzdem (oder genau deshalb) genial.

Type O Negative – October Rust (Aug. 1996)

http://www.myspace.com/typeonegative

Obwohl von manchen die Bloody Kisses für den Herbst als das passendste Album von Type O Negative aus Brooklyn genannt wird, ist für mich immer October Rust das Herbst-Album schlechthin. Nach dem humorigen Intro findet man sich gleich vom ersten (richtigen) Track in der Stimmung, die das ganze Album über anhält. Vor allem gegen Ende des Albums drängen sich einem Bilder vom tiefen, herbstlichen Wald im Morgennebel auf. Der letzte Track Haunted ist dann der Höhepunkt, melodiös, getragen und trotzdem hart bis zum plötzlichen Abbruch, um dem wiederum humorigen Outro Platz zu machen.

mogwai_zidane.jpg Mogwai – Zidane: A 21st Century Portrait An Original Soundtrack

http://www.last.fm/music/Mogwai/Zidane-A+21st+Century+Portrait

Man stelle sich vor, Ende November mit dem Zug durch das verregnete und Nebelverhangene Schweizer Mittelland zu fahren. Triste Bahnhöfe ziehen an einem vorüber. Im Kopfhörer Mogwais Soundtrack zum Film Zidane: A 21st Century Portrait schleppt sich dahin wie die Landschaft, düster und melancholisch. Mehr gibt es da eigentlich nicht zu erkären, als dass sie perfekt passen würde, die Musik zur Landschaft. Erwähnt sei vielleicht noch, dass man als “Hidden Track” 15 Minuten den selben Ton, abwechslungsweise vom Gitarrenfeedback oder vom Synthie hören kann, verziert mit Fussballgeräuschen wie Fangeschrei und Schiedsrichterpfeifen (von ganz weit weg).